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Zeit für neue Perspektiven: Warum arbeiten wir überhaupt

Zeit für neue Perspektiven: Warum arbeiten wir überhaupt

Freisprechung bei der Metall-Innung Mainfranken-Mitte

Bevor die 36 ehemaligen Auszubildenden des Metallhandwerks am vergangenen Freitag ihren Gesellenbrief erhielten, erlebten sie im Penthouse des Bildungszentrums Würzburg der Handwerksammer für Unterfranken (HWK) eine Freisprechungsfeier mit Perspektivenwechsel. Eingeladen hatte Detlef Lurz, Obermeister der Metall-Innung Mainfranken-Mitte, Angehörige der Freigesprochenen sowie zahlreiche Gäste aus Politik und Gesellschaft.

Für den Perspektivenwechsel sorgte Gastredner Jörg Mosler, Dachdeckermeister und Experte für Mitarbeitergewinnung im Handwerk. „Warum arbeiten wir überhaupt?“ sei die entscheidende Frage für die Motivation, die 81000 Stunden durchschnittliche Lebensarbeitszeit eines jeden durchzuhalten. Geld sei zwar wichtig, doch auf Dauer nicht zufriedenstellend. „Vergleiche dich nie mit anderen, denn es wird immer jemanden geben, der mehr verdient als du“, warnte der Motivationstrainer scherzhaft. Spaß an der Arbeit trage allein ebenfalls nicht durch ein langes Berufsleben, besonders dann, wenn Talent fehle, erklärte Mosler. Er selbst arbeitete mehr als 16 Jahre in seinem erlernten Beruf, bis er sich eingestand, dass dies nicht das ist, was er am besten kann.

Unterschätzte, aber äußerst wichtige Motivationen für ein erfolgreiches Arbeitsleben seien dagegen Anerkennung und die Möglichkeit, die Ergebnisse der Arbeit als Produkt in Händen halten zu können. Um dies über die rund 81000 Stunden immer wieder auf einem motivierenden Niveau zu halten, sei es mehrmals nötig, die Perspektive zu wechseln und nicht die eigenen Bedürfnisse in den Mittelpunkt zu stellen.

Dass die 35 Männer und eine Frau dazu in der Lage sind, bescheinigte ihnen Ludwig Paul, HWK-Hauptgeschäftsführer. „Sie brauchen sich um ihre Zukunft keine Sorgen machen, sie sind dafür bestens gerüstet“, lobte er die neuen Gesellen in seinem Grußwort. Sie hätten die Herausforderungen der Ausbildung mit Mut, Selbstbewusstsein und Ausdauer gemeistert.

Dies bestätigte auch Uwe Tutschku den Junghandwerkern. Der Leiter der Würzburger Franz-Oberthür-Schule gratulierte im Namen der staatlichen Berufsschulen. Der demographische Wandel sei künftig die große Herausforderung in Deutschland. Fachkräfte werden händeringend gesucht und darin liege die große Chance der ehemaligen Auszubildenden. Eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung sei jedoch nur ein erster Schritt. „Weiterbildung ist das A und O ihrer Zukunft“, so Tutschku.

Diesen Rat gab auch Ruth Baur, Vorstandsmitglied der Metall-Innung Mainfranken-Mitte, den jungen Handwerkern mit auf den Weg in den Berufsstart. Wie ihre Vorredner dankte auch sie den Ausbildungsbetrieben, Familien, Freunden und Lehrern für die Unterstützung und das Vertrauen in die Fähigkeiten der Berufsanfänger.

Das Metallhandwerk verbindet Tradition, moderne Fertigungstechnik und Innovation, so Obermeister Detlef Lurz. „Viele Vorrichtungen werden von uns gefertigt, ohne dass man es weiß“, erläuterte er die Bedeutung des Metallhandwerks für andere Gewerke und führte Beschichtungsanlagen für Flachbildschirme als Beispiel an. „Unserer Wirtschaft geht es gut, obwohl leichte Eintrübungen am Horizont auszumachen sind“, so Lurz. Deutsche Metallprodukte würden in Europa, Übersee, Asien und der arabischen Welt stark nachgefragt. Darin liege eine Chance für die jungen Handwerker. Die fortschreitende Digitalisierung werde die Berufswelt und die Gesellschaft einschneidend verändern. Berufliche Weiterbildung und soziales Engagement seien unabdingbar, um die Zukunft meistern zu können.

Besonders lobte der Obermeister die Prüfungsbesten für ihre Leistungen: Diese sind Johannes Seubert aus Greußenheim (Ausbildungsbetrieb Metz Stahl- und Metallbau GmbH & Co.KG, Würzburg), Tino Schmidt aus Veitshöchheim (Ausbildungsbetrieb Caritas Don Bosco gGmbH Bildungswerk, Würzburg) und Kevin Kunkel aus Wiesthal (Ausbildungsbetrieb Jürgen Englert, Neuhütten) im Bereich Metallbau, Fachrichtung Konstruktionstechnik. Julian Christel und Luis Boch (beide aus Giebelstadt) sowie Johannes Thauer aus Kitzingen (alle Ausbildungsbetrieb Kinkele GmbH & Co. KG, Ochsenfurt) sind die Prüfungsbesten im Bereich Feinwerkmechanik, Fachrichtung Maschinenbau und Feinmechanik.

Freisprechungsfeier (im Bild von links) Edwin Gernert (Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses Feinwerkmechanik), Obermeister Detlef Lurz, Luis Bock, Jörg Mosler, Tino Schmidt, Johannes Thauer, Johannes Seubert, Julian Christel, Kevin Kunkel, HWK- Hauptgeschäftsführer Ludwig Paul und Alexander Koller (Vorsitzender des Gesellenprüfungsausschusses Konstruktionstechnik).