Zukunft voller Möglichkeiten wartet 22 junge Gesellen verstärken das heimische Metall-Handwerk
Obermeister Petry: Stolz auf das was ihr geschafft habt
Handwerk hat Tradition: Wie das Metall-Handwerk, einem der ältesten Gewerke, wenn nicht sogar das älteste Gewerk der Welt. Und das nicht nur beim Arbeiten sondern auch beim Feiern zum Abschluss der Lehrzeit, der Freisprechung. Am Freitag Abend feierte die Metall-Innung Traunstein-Berchtesgadener Land ihre jungen Gesellen. Mit dabei waren Vertreter aus den Ausbildungsbetrieben, den Berufsschulen, dem Bildungszentrum der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft. Und natürlich durften auch Familienangehörige nicht fehlen, die ihre Kinder und Geschwister durch die nicht immer leichte Lehrzeit mit getragen haben. Die junge Gesellen haben auch und zum Teil gerade wegen wirtschaftlich schwierigen Zeiten beruflich gute Perspektiven – kompetente Handwerker sind in Zeiten fehlender Fachkräfte gefragt und gesucht wie selten zuvor wie mehrfach betont wurde.
Obermeister Wolfgang Petry gratulierte den erfolgreichen Gesellen stellte dabei aber insbesondere auch das Engagement der Familien, der Lehrer und der Ausbildungsbetriebe heraus, die ihnen zur Seite gestanden sind. „Das was ein Metallbauer macht, wird überall gebraucht“ sagte er am Beispiel des Baus einer Fluchttreppe. „Euer Handwerk mach euch nicht reich, aber es macht euch glücklich, ihr könnt davon leben. Und vor allem macht euch die Arbeit stolz.“ Er freue sich, dass Metall-Handwerker etwas mit den eigenen Händen schaffen, das man anschauen, spüren und nutzen könne. „Ihr dürft heute alle stolz sein auf das was ihr geschafft habt. Das ist eine große Sache. Ein deutscher Metallbauer wird auf der ganzen Welt ernst genommen.“
Anspruchsvolles Handwerk
Von Seiten der Berufsschulen betonte der stellvertretende Schulleiter der Berufsschule I Traunstein, Studiendirektor Rudolf Ritter in seinem Grußwort, dass die jungen Handwerker im Rahmen des Berufsschulabschlusses „nie wieder Schulpflicht“ hätten. Alles was jetzt noch komme sei freiwillig. „Heute feiern wir den richtigen Einstieg in ein Berufsleben in dem Stahl, Funkenflug und Präzision genauso wichtig sind wie Durchhaltevermögen, Humor und die Fähigkeit auch nach dem dritten Versuch noch ruhig zu bleiben wenn es einfach ‚fuxt‘.“ Er betonte, dass sie mit dem Metallerberuf einen anspruchsvollen Beruf erlernt hätten: „Metall verzeiht keine Fehler aber es belohnt Sorgfalt.“ Sie würden zu den „guten Kräften“ gehören, die sich diese Auszeichnung durch Fleiß, Talent und „unzählige Stunden in Schule und Betrieb“ verdient hätten. Auf die jungen Metaller würde nun eine „Zukunft voller Möglichkeiten“ warten.
Manuel Hasenöhrl sagte als Vertreter der Junggesellen „Es sieht so aus dass wir es geschafft haben und darauf können wir stolz sein.“ Er sprach von den Momenten, wo sie Fehler gemacht hätten. „Aber so lernt man in einer Ausbildung. Lehrjahre sind keine Herrenjahre.“ Er bedankte sich bei den Ausbildern, die immer das Ziel gehabt hätten, dass sie besser werden. Die Lehrkräfte hätten ihnen Wissen erfolgreich vermittelt. Sie seien sich darüber im Klaren, dass das lebenslange Lernen weiter gehe. „Unsere Reise hat erst begonnen.“ Sie seien daneben aufgefordert, ihr Wissen an künftige Auszubildende weiterzugeben. Für den Moment gelte es aber: „Wir haben es gemeinsam geschafft!“.
Prüfungsbeste mit Einser-Abschluss
Stellvertretender Obermeister und Prüfungsvorsitzender Fritz Graßl gab einen Überblick über die Gesellenprüfung. Er bedankte sich für die gute Zusammenarbeit im Prüfungsausschuss mit dem Bildungszentrum der Handwerkskammer in Traunstein, der Kreishandwerkerschaft und den Berufsschulen in Traunstein und Traunreut. Und auch für die Prüflinge hatte er nur Lob übrig: „Bei den Prüfungen selbst haben alle Teilnehmer wirklich super mitgezogen und mit großem Eifer mitgemacht!“. Im praktischen Teil mussten unter anderem Türheber und Klemmvorrichtungen gefertigt werden. Auch mussten Handpressen angefertigt werden, bei denen Techniken wie Schweißen, Bohren und Feilen gefordert waren. Planung, Bau und Montage waren beim Bau eines Dreifach-Carports gefordert.
Graßl ging auf das neue Innungslogo ein – auf von einem Fördermitglied gesponserten T-Shirts aufgedruckt – das aus den Elementen der alten Zunftzeichen der Schlosser-Schmiede-Maschinenbauer Innung und dem Katzenkopf, dem Spitznamen der Wandergesellen besteht. Letzterer erstand aus der Form der alten Truhenschlösser. Die Tradition macht dabei deutlich, dass der Geselle noch nicht alles weiß und weitere Erfahrung sammeln muss. „Sie haben in dem wohl ältesten Handwerk der Geschichte Ihre Prüfung bestanden. Die anderen Gewerke konnten erst entstehen, als der Schmied anfing Werkzeuge für andere herzustellen. Seien sie alle also stolz darauf ein ‚Katzenkopf“‘ zu sein, und bleiben sie wissbegierig.“
Im Fachbereich Metallbauer – Fachrichtung Konstruktionstechnik waren in der Winterprüfung 18 Teilnehmer angetreten. 15 Teilnehmer haben diese mit einem Gesamtdurchschnitt von 3,28 bestanden. Prüfungsbester ist Benedikt Graßl vom Ausbildungsbetrieb Metallbau Max Gschoßmann in der Ramsau. Seine Gesamtnote lag bei 1,6. Zwei von drei angetretenen Prüflingen für den Fachpraktiker für Metallbau haben die Prüfung erfolgreich abgelegt. Der Gesamtdurchschnitt lag bei 2,67. Lorenz Rottmüller vom Ausbildungsbetrieb Junge Arbeit in Rosenheim ist mit 1,6 Prüfungsbester. In der Sommerprüfungen des vergangenen Jahres waren sechs junge Metallbauer angetreten, fünf waren letztlich erfolgreich. Der Notendurchschnitt lag hier bei 2,5. Prüfungsbester ist Lukas Schnurpfeil vom Ausbildungsbetrieb Stöckl Maschinenbau in Fridolfing mit ebenfalls 1,6 als Notendurchschnitt der praktischen und theoretischen Prüfung.
Berufsausbildung in würdigem Rahmen abschließen
Gemäß der im Handwerk üblichen Tradition nahm der stellvertretende Kreishandwerksmeister Thomas Aigner anschließend die offizielle Freisprechung vor und betonte, dass man die Berufsausbildung in würdigem Rahmen abschließe. Er freue sich über einen neuen Jahrgang gut ausgebildeter, qualifizierter Fachkräfte, die Mangelware seien. Sie hätten nun den „Grundstock für eine lebenslange Arbeitsplatzgarantie“ gelegt. Er machte deutlich, dass in Zeiten der zunehmenden Digitalisierung und der Anwendung der Künstlichen Intelligenz (KI) das Handwerk für die Gesellschaft unverzichtbar seien.
Dem „Freispruch“ aus den Pflichten des Lehrverhältnisses nach alter Handwerkstradition folgte ein langanhaltender Applaus der Anwesenden und die Freude über den Schritt ins Gesellenleben. Die erfolgreichen jungen Metaller zeigten sich im Nachgang sichtlich stolz über ihren überreichten persönlichen Gesellenbrief.
Zur Gemütlichkeit der gelungenen Feier trug auch die „Heid spui ma zam Musi“ aus Inzell bei, die bei ihrer Premiere für die passende musikalische Begleitung sorgte.
awi
Bildtext:
Ehrung der Prüfungsbesten (von links): Obermeister Wolfgang Petry, Benedikt Graßl, Lorenz Rottmüller, Lukas Schnurpfeil, stellvertretender Kreishandwerksmeister Thomas Aigner und stellvertretender Obermeister Fritz Graßl.